Eine pädagogische Begründung für die Musik in der Schule

 

"Wenn wir die Welt verändern wollen, müssen wir bei den

Kindern anfangen“, Yehudi Menuhin.

 

Musik erlaubt einen besonderen Zugang zu Bildung. Das gilt besonders für solche Schüler, die Schule eher bedrohlich erleben und mit Auflehnung, Rückzug oder Verweigerung reagieren.

An unserer Schule lernt jeder Schüler ein Instrument und spielt dieses auch in einer Band oder in einem Orchester. Einen besonderen Zugang zu Bildung erlaubt Musik, wenn sie sich nicht im reinen Aneignen von Spieltechniken erschöpft, sondern lustvoll, kreativ und sozial ausgeübt wird, wenn das Üben ebenso dazugehört, wie das Spiel in der Band oder im Orchester, wenn das Einschwingen auf einen gemeinsamen Rhythmus ebenso ermöglicht wird, wie der persönliche Ausdruck in der Improvisation, wenn sie beim Auftritt vor Publikum als bedeutungsvoll erlebt wird und Selbstbewusstsein vermittelt. Musik entfaltet dann eine Kraft, die Lebensläufe verändern kann.

Besonders spricht uns die Idee von Musik als fachübergreifendem Instrument, als „Mobilisator“ und „Zugang“ zu positiven Schul- und Lernerfahrungen, als pädagogischem Instrument an, das Selbstvertrauen über ein anderes „Können“ stärken und soziale Kompetenz entwickeln kann.

Der positive Einfluss auf die Sprachentwicklung und vor allem die nachgewiesene positive Wirkung auf die soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sind ein Plädoyer, "nicht nur für die Musikerziehung, sondern für die Erziehung der Kinder durch die Musik " (Daniel Barenboim).

 

Im April 2017

 

Eckart Störmer                                                                          Alice Delis

Schulleiter                                                                                 Stv. Schulleiterin

 

 

 


Musik: Eine Begründung aus psychologischer Sicht

 

Die multiplen Intelligenzen

Professor Howard Earl Gardner, Kognitionswissenschaftler, ist der Meinung, dass die klassischen Intelligenztests nicht ausreichend die Fähigkeiten berücksichtigen die für Erfolg im Leben entscheidend sind. Er entwickelte die Theorie der „multiplen Intelligenzen“ (1983), gestützt auf neurobiologisch fundierte Erkenntnisse. Seinem Konzept steht das klassische Konzept der generellen Intelligenz gegenüber. Howard Gardner unterscheidet in seiner Theorie verschiedene, relativ autonome, Intelligenzbereiche:

 

Sprachlich-linguistische Intelligenz

Die Fähigkeit zu lesen, zu schreiben, zu verstehen und zu sprechen. Eine Sensibilität für die gesprochene und geschriebene Sprache. Die Fähigkeit Sprache zu bestimmten Zwecken zu gebrauchen sowie bei Rednern, Dichtern, Rechtsanwälten und Schriftsteller;

 

Musikalische- rhythmische Intelligenz

Die Fähigkeit zu singen, ein Instrument zu spielen sowie Musik zu analysieren und zu komponieren. Ein Sinn für die musikalischen Prinzipien;

 

Logisch-mathematische Intelligenz

Die Fähigkeit zu rechnen, logische Aufgaben zu lösen sowie wissenschaftlich zu denken und zu argumentieren, sowie bei Mathematikern, Logikern, Programmierern und Naturwissenschaftlern;

 

Bildlich-räumliche Intelligenz

Die Fähigkeit, sich im Raum zu orientieren; Ein Sinn für das Erfassen grosser Räume und für begrenzte Raumfelder wie bei Bildhauern, Architekten, Schachspielern, Ingenieuren, Graphikern oder Chirurgen;

 

Körperlich-kinästhetische Intelligenz

Die Fähigkeit, seinen Körper koordiniert zu bewegen und einzelne Körperteile zur Problemlösung oder Gestaltung einzusetzen, sowie bei Tänzern, Sportlern oder auch als Chirurg;

 

Personale Intelligenz die zwei Bereiche umfasst:

 

Intra-personale Intelligenz

Die Fähigkeit die eigenen Gefühle, Stimmungen, Motive zu verstehen und zu beeinflussen. Ein Sinn für das Antizipieren der eigene Verhaltensweisen und die richtige Entscheidungen, sowie bei Künstlern, Schriftsteller und Schauspieler;

 

Inter-personale Intelligenz

Die kommunikativen Kompetenzen die Zugang schaffen zu Empfindungen, Motive und Verhaltensweisen von anderen (Emotionale Intelligenz) sowie bei politischen oder religiösen Führern, geschickte Eltern, Lehrer, bei heilenden oder beratenden Berufen;

 

Naturalistische Intelligenz

Die Fähigkeit, Gegenstände in der natürlichen Umgebung zu erkennen und zu kategorisieren. Die Fähigkeit zu beobachten, zu unterscheiden mit einer Sensibilität für Naturphänomene, sowie bei Forschern, Naturwissenschaftlern, Tierärzten, Umweltspezialisten aber auch Köche;

 

Existenzielle Intelligenz:

Die Fähigkeit, die eigene Position im Hinblick auf existenzielle Größen der menschlichen Existenz, wie etwa Tod oder der Sinn des Lebens, zu bestimmen. Eine vorhandene Spiritualität sowie bei religiösen und geistigen Führern oder Philosophen.

 

Gardner verabschiedet sich mit dieser Annahme von vielfachen Intelligenzen, von der Theorie, dass es nur einen zugrundeliegenden Generalfaktor gibt. Er sieht Intelligenz als „Potential“ wobei entscheidend ist wie die verschiedenen Bereiche ineinander greifen; wie das Gleichgewicht ist zwischen den Bereichen.

Daniel Goleman, Psychologe und Wissenschaftsjournalist, ist mit seinem Begriff EQ: Emotionaler Intelligenz als Gegensatz zu dem IQ, weltweit bekannt geworden und unterstreicht die Theorie der vielfaltigen Intelligenzen.

 

Musik als Schwerpunkt:

Die musikalische Intelligenz zählt für Gardner als eine Art „Ur-Intelligenz“. Die musikalische Intelligenz ist bei Aktivierung wie keine andere Intelligenz verknüpft mit anderen Intelligenzbereichen.

 

Ernst Waldemar Weber gilt als unermüdlicher Pionier für den erweiterten Musikunterricht in der Schule. Der Schweizer Pädagoge hat u.a. das Buch „Die vergessene Intelligenz“ (1) geschrieben und hat Howard Gardners Ansichten der Intelligenz schematisch dargestellt. In seiner Darstellung wird die zentrale Bedeutung der Musik sichtbar. Es gibt Beziehungen zwischen den einzelnen Intelligenzen. Jede Intelligenz hat eine starke Beziehung zu der musikalischen Intelligenz.

 

Es gab und gibt in traditionellen Schulsystemen generell ein Schwerpunkt auf logisch-mathematische, naturwissenschaftliche und sprachliche Kompetenzen.

 

Sollte man, unter Betracht der multiplen Intelligenzen, Schwerpunkte setzen in vielen Intelligenzbereichen, insbesondere bei dem Musikunterricht?

(1) Quelle: Weber, Ernst Waldemar: Die vergessene Intelligenz .Die Musik im Kreis der menschliche Anlagen, 1999 Musikverlag Pan AG, Zürich. Online unter: Pisa und was nun?

 

Musik und Intelligenz

 

Professor Hans Günther Bastian spricht in diesem Zusammenhang von einer „pädagogisch verengten Perspektive“ die „den Blick verstellt auf die Vielfalt der Talente, die es beim Menschen gibt“.

Er hat wissenschaftlich untersucht welche Wirkung die (frühe) aktive Beschäftigung mit Musik bei Kindern hat. Er basiert sein Buch „Kindern optimal fördern mit Musik“ (2) auf einer Langzeitstudie an Schulen mit musikbetonten Unterricht (Name der Studie: “Musik(erziehung) und ihre Wirkung). Er hat in seiner Studie bei Schülern die eine derartige Schule besucht hatten, höhere IQ Werte feststellen können. Die Differenz mit der Kontrollgruppe war zunächst nicht messbar. Nach vier Jahren erweiterter Musikerziehung aber, kam es zu einem höheren IQ-Zugewinn bei Kindern der musikbetonten Schulen. Er konnte auch feststellen, dass diese erhöhten Messwerte unabhängig von sozialen Umständen passierten. Die Musik hat in dieser Hinsicht eine "kompensatorische Wirkung auf milieubedingte, kognitive und emotionale Defizite“. Er konnte feststellen, dass es bei musikbetonten Schulen nicht zu einem Leistungsabfall kam bei den Hauptfächern.

 

(2) Bastian, Hans Günther: Kinder optimal fördern-mit Musik, 2001 Schott Musik International

Der Mozart-Effekt

 

Wer den Zusammenhang von Musik und Intelligenz recherchiert, trifft dabei auf den sogenannten „Mozart-Effekt [3].

 

Der Mozart-Effekt beruht auf ein Experiment von Prof. Gordon Shaw zusammen mit der Forscherin Francis Rauscher. Es sollte einen Zusammenhang zwischen dem Hören von Musik und räumlich–zeitlichen Denken untersuchen. Tatsächlich hat sich im Experiment im Jahre 1993 herausgestellt, das Versuchspersonen nach dem Hören von zehn Minuten Mozartmusik, beim Lösen der räumlich-zeitlichen Aufgaben, auffällig besser abgeschnitten hatten.

 

Der Mozarteffekt wurde, innerhalb kürzester Zeit populär und als intelligenzsteigernd verkauft, was durch die Musikindustrie sehr begrüsst wurde. In Wirklichkeit ist der Mozart-Effekt so nicht eindeutig wissenschaftlich belegbar und auch durch die Kommerzialisierung ein wenig in Verruf geraten.

Was wissen wir?

 

Das Hören von Musik kann sich positiv auf das Lernen auswirken: Der Effekt kommt nicht nur mit der Musik von Mozart zustande. Barocke und spätbarocke Musik bringt aber bessere Resultate. Sie hat eine komplexe Struktur und ein wiederholendes Muster. Meditationsmusik (New-Age-Musik) hat einen ähnlichen Effekt. Wichtig ist, dass der Hörer die Musik als angenehm empfindet.

 

Das Hören der Musik unterstützt die Hirnaktivität, die „Zusammenarbeit“ zwischen den beiden Hirnhälften. Es fördert das simultane Arbeiten der linken- und rechten Hirnbereiche und dadurch die Informationsverarbeitung, das Gedächtnis, die emotionale Ausgeglichenheit, die Kreativität und die Konzentration.

3) Gutdeutsch, Walter: Der Mozart Effekt, Fachzeitschrift Abenteuer Philosophie 2-2006

 

 

Musik: Eine Begründung aus neurologischer Sicht

 

Ohne zu spezifisch auf die letzten Erläuterungen der Hirnforschung einzugehen gibt es eine wichtige pädagogische Begründung unseres Musikkonzepts, aus neurologischer Sicht. In Kürze:

 

Heute geht man davon aus, dass an der Musikverarbeitung beide Gehirnhälften beteiligt sind. Die rechte Gehirnhälfte wird bei der Verarbeitung von Melodien notwendig, die linke Gehirnhälfte wird bei der Verarbeitung der Rhythmen beansprucht.

Wenn die Koordination der linken und der rechten Hemisphäre über die Musik unterstützt und gefördert wird, kann es zu einer Verdichtung der neuralen Vernetzung und eine Verdickung des Balkens, der Faserverbindung zwischen rechter- und linker Hälfte (Corpus Callosum) kommen. Damit wird die allgemeine Lernleistung verbessert. Man spricht hier von sogenannten „Transfereffekte“.

Musik kann damit der allgemeinen Lernstimulation dienen: Ein „Katalysator für Lern und Intelligenzentwicklung“ [5] Die hier beschriebenen Prozesse spielen sich besonders intensiv ab bei der Improvisation.

 

Beiträge der Neuropsychologie:

  1. Das Gehirn verändert sich beim Lernen physisch: Jeder Mensch

hat seine eigene Lernbiographie.

  1. Vielseitige Tätigkeiten fördern die Hirnentwicklung – ein Leben

lang.

  1. Das Gehirn ist auf Vernetzung angewiesen und lebt von ihr.
  2. Wissen wird nicht als Ganzes abgelegt. Reproduzieren heisst

interpretieren.

5    Emotionale „Färbung“ des Lernens ist von grosser Bedeutung.

 

 

Das Gehirn kann Anpassungen an Herausforderungen realisieren. Diese Anpassung wird als Plastizität bezeichnet. Sie ist verbunden mit der Stärkung bestehender oder der Formation neuer Nervenverbindungen und dem Hinzugewinnen von Hirngewebe.

Das Wahrnehmen von Musik und noch mehr das Singen und musizieren sind für das Gehirn komplexe Aufgaben, an denen eine Vielzahl kognitiver Prozesse beteiligt sind (z.B. Wahrnehmen, Lernen und Gedächtnis sowie das Planen und ausführen von Handlungen).

Dr. Willie Stadelmann, Direktor der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz, hat in seiner Tagung „Musik: bewegt“ den engen Zusammenhang zwischen Musik und Sprache aus neuropsychologischer Sicht und die Notwendigkeit der frühen Förderung auf beiden Gebieten beschrieben:

Ein Instrument zu spielen ist eine der komplexesten menschlichen Tätigkeiten. Musik hat umfassende Potenziale für die Entwicklung des Gehirns. Instrumentalspiel schafft Lernstrategien und Lernpotenziale, die weit über die Musik hinaus wirken. Instrumentalisten haben ein besseres Wortgedächtnis. Professionelle Pianisten und Geiger besitzen einen grösseren und effizienteren Balken (Corpus Callosum)." (4)

 

Diese Erkenntnisse basieren vor allem auf dem Instrumental Unterricht und bei früher und intensiver musikalischen Förderung.

 

"Angenehm empfundene Musik stimuliert das körpereigene Belohnungssystem (Ausschüttung von Dopamin und endogenen Opioiden) und dämpft Hirnstrukturen, die Angst und Aversion signalisieren und aktiviert Strukturen, die für Wachheit und Aufmerksamkeit wichtig sind“. (4)

4) Schweizer Musikzeitung, Musik bewegt das Gehirn-das Gehirn macht Musik, Nr6/Juni 2004, anlässlich der Tagung Musik: bewegt, Dr. Willie Stadelmann.

 

5] Prof. Dr. Willie Stadelmann, Musik- ein Katalysator für Lern- und Intelligenzentwicklung, Veröffentlicht in: Österreichisches Zentrum für Begabtenförderung und Begabungsforschung, Newsletter 13 April 2006. S.3

 

 

Weitere Erkenntnisse:

 

Genetische Vererbung und Intelligenz:

Gute kognitive Fähigkeiten führen nicht automatisch zu guten Leistungen. Wenn Erbanlagen nicht gefördert werden durch Lernen, entwickeln sich keine kognitiven Fähigkeiten.

 

Musik und Gehirn:

Musikalische Leistungen können nach Schädigung sowohl in der linken als auch der rechten Hirnhälfte ausfallen. Musik ist also nicht unbedingt in der rechten Gehirnhälfte lokalisiert (wie oft behauptet).

 

Musik hat ein hohes Potential für die Hirnentwicklung. Instrumentalunterricht scheint zur Entwicklung von allgemeinen Lernpotenzialen beizutragen, sowie auch Bewegung, kann Musik sich im Sinne eines Lerntransfers positiv auf die Leistungsfähigkeit auswirken.

Individuelle musikalische Biographie:

Das Gehirn baut eine musikalische Struktur auf, basiert auf musikalischen Erfahrungen. Desto unvertrauter Musik für uns ist desto schwerer können wir einen Zugang zu für uns ungewöhnliche Musik finden, weil die Interpretation auf Basis der vorhandenen Hirnstrukturen stattfindet.

Auf Grund der ausgeprägten Plastizität des Gehirns im Kindesalter und die damit verbundene hohe Lernfähigkeit beeinflusst ein früher Lernbeginn die spätere Leistungsfähigkeit positiv.

(5) Stadelmann, Willi: Musik und Gehirn. Musik-ein Katalysator für Lern-und Intelligenzentwicklung. Veröffentlicht in: Österreichisches Zentrum für Begabtenförderung und Begabungsforschung, Newsletter 13 April 2006. S.3

 

 

Musik, Gesang und Sprachentwicklung

 

Musikalische Leistungen können nach Schädigung sowohl in der linken als auch der rechten Hirnhälfte ausfallen. Musik ist also nicht unbedingt in der rechten Gehirnhälfte lokalisiert.

Nach heutigen Erkenntnissen, sind Musik und Sprache nicht klar voneinander getrennt. Im Gehirn wird die Struktur von Musik ähnlich verarbeitet wie Semantik und Syntax der Sprache. (Kernspintomografie: „Falsche“ Töne werden ähnlich verarbeitet wie grammatikalisch falsche Sätze).

 

Musik und Sprache sind grundlegende und kulturübergreifende Fähigkeiten. In der Evolutionsforschung gibt es Diskussionen über gemeinsame Wurzeln von Musik und Sprache. Sie sollen sich aus einem gemeinsamen kommunikativen Vorgänger entwickelt haben. Es wird dabei von ausgegangen, dass sich die Musik eher zur Vermittlung von Emotionen weiter entwickelte und die Sprache sich auf inhaltliche Bedeutung spezialisierte.

Bereits „normal“ gesprochene Sprache hat Melodie und Rhythmus. Die Verarbeitung musikalischer und sprachlicher Informationen findet in teilweise identischen Hirnregionen statt. Es ist nachgewiesen, dass die Hirnnetzwerke für das Sprechen und für Gesang stark mit einer rechts-hemisphärischen Dominanz für Gesang, und einer links-hemisphärischern Dominanz für das Sprechen überlappen. In vielen (v.a. afrikanische) Sprachen, wird interessanter Weise nicht unterschieden zwischen den Begriffen „Singen und Sprechen“.

 

Jeder Mensch kann, bei normaler Stimm- und Sprachentwicklung singen. Das Hören und ausüben von Musik erfüllt evolutionär wichtige Funktionen wie Kommunikation, Koordination von Gruppen und das Schaffen von Gruppenzusammenhalt.

Das elterliche Singen von Wiegen- Spiel und Schlafliedern fördert die emotionale, soziale und kognitive Entwicklung und die Stimme. Ausserdem spielen musikalische Fertigkeiten eine entscheidende Rolle für die Entwicklung der Sprache (7)

 

"Sprache und Musik sind beide stark strukturierte Systeme. Beide sind aufgebaut aus Einzelelementen (Phoneme oder Töne) welche zu komplexen Sequenzen zusammengesetzt werden. So gibt es sowohl in Sprache als in der Musik einen „Syntax“, ein Regelsystem. Das Gehirn erkennt und internalisiert diese Struktur.

Musikalisches Training führt nicht nur zur Veränderung der Verarbeitungsprozesse bei der Musikwahrnehmung sondern auch Prozesse der Syntaxverarbeitung im Sprachbereich“.[6]

Kinder die singen haben weniger Sprech- und Stimmstörungen. Die Beschäftigung mit Musik kann Sprachentwicklungsstörungen vorbeugen. Auf Grund der starken Überlappung von Sprechen und Gesang im Gehirn kann Musiktherapie z.B. Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen helfen. Umgekehrt stellt ein Defizit einen Risikofaktor für Sprachentwicklungsstörungen und Sprechstörungen dar.

) Doerne, Andreas, Musik Bildet, Der Musikkindergarten Berlin. Ein Modell, 2010, Breitkopf und Härtel

7) Koelsch, Stefan: Die emotionale Stimme, Musiktherapeutische Umschau, 29, 3, S 201-208, , ©

Vandenhoeck&Ruprecht Gmbh &Co, KG, Göttingen, 2008 ISSN 0172-5505

 

 

Musik und soziale Kompetenz/ Musik als Gewaltprävention

 

In der Gesellschaft gibt es viel Gewalt und gravierende soziale Defizite. Nach einer Kriminalstatistik des Kanton Berns, wurde im Jahr 2007 jeder zweite Raub und jede fünfte Körperverletzung von Tätern unter 18 Jahren begangen. (8) Immer häufiger betrifft es nicht nur Sachschäden aber auch Aggressionen gegen Personen. Es ist eine Notwendigkeit die soziale Kompetenz der Kinder und Jugendlichen zu stärken.
Die Bildungspolitik hat mit verschiedenen Studien und Modellen auf diesen „Trend“ reagiert. Eines der Modelle war ein wissenschaftliches Nationalfonds-Projekt mit dem Namen “Bessere Bildung mit mehr Musik“. Es wurden Schulversuche mit 51 Schulklassen (vom 1. bis zum 9.Schuljahr), in der ganzen Schweiz durchgeführt. Die These lautete:

"Intensive Beschäftigung mit Musik (Singen, gemeinsames musizieren und Tanzen sowie die Schulung des Notenlesens und des Musikhörens) fördert die Konzentrationsfähigkeit, das Gedächtnis und die sprachliche und allgemeine Ausdrucksfähigkeit und steigert die Lebensfreude, was sich auch auf die schulische Motivation auswirkt.

[8] Weber Ernst Waldemar, Gewaltprävention durch Musikerziehung, Ceterum censeo Muri, 2008

 

Beim singen, musizieren und tanzen kommt es immer auch auf die Sorgfalt an. Ein Instrument muss behutsam zum Klingen gebracht werden, auch wenn es nur ein Triangel oder eine Trommel ist. Beim gemeinsamen musizieren, gilt es achtsam zu sein. Die Selbstwahrnehmung kann positiv verändert werden durch musikalische Lernerfahrungen und Lernerfolge. (7)

 

 

"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist." (Victor Hugo)

 

 

Quellenverzeichnis:

 1) Weber, Ernst Waldemar: Die Vergessene Intelligenz, Die Musik im Kreis der Menschliche Anlagen, 1999 Musikverlag Pan AG, Zürich

 

2) Bastian, Hans Günther: Kinder optimal fördern-mit Musik, 2001 Schott Musik International

 

3) Gutdeutsch, Walter: Der Mozart Effekt, Fachzeitschrift Abenteuer Philosophie 2-2006

 

4) Stadelmann, Willi: Musik bewegt das Gehirn-das Gehirn macht Musik, Schweizer Musikzeitung, Nr.6 Juni 2004

 

5) Stadelmann, Willi: Musik und Gehirn. Musik-ein Katalysator für Lern-und Intelligenzentwicklung. Veröffentlicht in: Österreichisches Zentrumfür Begabtenförderung und Begabungsforschung, Newsletter 13 April2006. S.3

 

 6) Doerne, Andreas: Musik bildet, Der Musikkindergarten Berlin. Ein Modell, 2010, Breitkopf &Härtel, Wiesbaden.)

7) Jentschke, Sebastian und Koelsch, Stefan : Sprach-und Musikverarbeitung bei Kindern: Einflüsse musikalischen Trainings, 2007.

  

8) Koelsch, Stefan: Die emotionale Stimme. MusiktherapeutischeUmschau, 29, 3, S 201-208, , © Vandenhoeck&Ruprecht Gmbh &Co,KG, Göttingen, 2008 ISSN 0172-5505

 

9) Weber, Ernst Waldemar: Gewaltprävention durch Musikerziehung, 2008, Verlag Ceterum Censeo

 

10) Levitin, Daniel J, „Der Musik-Instinkt“. Die Wissenschaft einer menschlichen Leidenschaft. Aus dem Englischen von Andreas Held,Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2009.

 

* Bilder: Free clipArt/Royalty free/Public Domain

 

Die pädagogische Begründung des Musikkonzepts ist zusammengestellt und verfasst von Alice Delis. Der Text über Musiktherapie ist geschrieben von Barbara Pfister.

Stiftung Tagesschule Oberglatt, April 2017